LiebesBande

LiebesBande

Vier Musikerpaare packen aus:
diverse akustische Saiteninstrumente, Flöten, Whistles, Perkussion, Akkordeon,  unverwechselbare Stimmen, einen fast unüberschaubaren Vorrat an Liedern und Geschichten. Damit ausgerüstet ziehen sie vielstimmig zwischen Deutschland, Norwegen und Mexiko, Schottland, den USA sowie dem Rest der Welt musikalisch umher. Als unverbesserliche Optimisten haben sie ihre aktuellen Weltkarrieren unterbrochen, verzichten derzeit auf Millionengagen, um sich in das Unternehmen LiebesBande zu stürzen. Es ist eine längst überfällige musikalische Familienzusammenführung über sprachliche, geschichtliche und biografische Grenzen hinweg. Die Bande, die dieses außergewöhnliche Oktett zusammenhalten, sind geknüpft aus persönlichen Erfahrungen und Weisheiten vom Leben und der Liebe, wie sie ähnlich überall auf der Welt in Geschichten, Märchen und Liedern zu finden sind, und einige davon spinnen den roten Faden. Einzigartig sind die Vielfalt und der musikalische Background der LiebesBande, der mehrsprachige Satzgesang, getragen von einfallsreichen Arrangements ohne Aufdringlichkeit oder Selbstzweck. Eine/n Hauptfrau/mann scheint diese Bande nicht zu haben, dafür aber achtfach sicht- und hörbar Spielfreude, Ideenreichtum und Variabilität …
… und eine unerhörte, fast nicht zu glaubende, verwirrende Story.

LiebesBande

Es war einmal vor nicht allzulanger Zeit …
Doreen & Maik Wolter, seit Jahren ein glücklich verbandeltes Paar, Musiker und Veranstalter, luden sich diverse andere Musiker für eine neue, mutige, genreübergreifende Unternehmung ein, darunter ein ebenfalls seit Jahren glücklich verbandeltes Paar: Scarlett O’ & Jürgen Ehle. Als sich Scarlett und Doreen begegneten, schrieen beide kurz auf und umklammerten sich dann weinend vor Glück: Scarlett hielt ihre Nichte, und mit ihr nicht nur ein Mitglied, sondern gleich drei in den Wendewirren verlorene Teile ihrer Familie in den Armen. Scarlett, die einen großen Teil ihrer Jugendzeit, quasi die gesamten Lehr- und Studienjahre, im Hause ihres großen Bruders und dessen Ehefrau verbracht hatte, war für die Tochter der beiden – Doreen -, da von deren erstem Atemzug in der Familie anwesend, immer die große Schwester und beste Freundin, bis, ja bis die politischen Verhältnisse Vieles im Leben Vieler durcheinanderbrachten. So hatten Scarlett und ihr Bruder, beide damals schon geraume Zeit in Sachen Musik, allerdings völlig unterschiedlicher Stilrichtungen, unterwegs, jeder vom anderen angenommen, daß sie/er nun, da die Welt offen stand, diese Weite umgehend und alle Brücken abbrechend gesucht habe. Dabei hatten sie sich in dem großen Freudentaumel schlicht und einfach aus den Augen verloren und jahrelang nebeneinander in den streng getrennten Musikszenen der großen Stadt in der Mitte Deutschlands gelebt und gearbeitet, ohne sich zu begegnen. Doreen hatte bei Muggen (musikalischen Gelegenheitsgeschäften) ihres Vaters einen seiner Mitstreiter kennen- und liebengelernt, ihren jetzigen Ehemann Maik, wie sie in der großen, damals getrennten Stadt geboren, nur etwas eher und auf der anderen Seite. Zur gleichen, oben erwähnten neuen Unternehmung, gekrönt von einem großen Abschlußkonzert, war noch ein anderes seit Jahren in Musik und Leben glücklich verbandeltes Paar geladen: Kerstin Blodig & Ian Melrose. Der Zufall wollte es, daß die drei Paare nach gelungenem Konzert gemeinsam an einem Tisch saßen und berührt und aufgewühlt das schicksalhafte Wiedersehen von Tante und Nichte oder besser „großer und kleiner Schwester“ feierten. Die Runde trennte sich frohgelaunt in den frühen Morgenstunden mit dem gegenseitigen Versprechen, sich künftig des öfteren in fremde musikalische Gefilde zu wagen und damit gleich am folgenden Tag mit dem gemeinsamen Besuch einer Aufführung zweier in der großen Stadt gastierender, sonst im Norden an der Küste des Landes lebender Musiker zu beginnen. Man traf sich also zum Konzert von Dunja Averdung & Jörg Nassler, die wie die anderen seit Jahren ein glücklich verbandeltes Paar sind.
Nun beginnt die eigentliche, verwirrende Geschichte:
Jürgen, der sich stark auf das Spiel von Jörg konzentrierte, verspürte ein diffuses Gefühl der nicht nur Vornamens- und Seelen-, sondern wirklichen Verwandtschaft, das sich zunehmend in Gewißheit verwandelte: Das dort konnte nur der jüngste Sohn der ältesten Schwester seiner Mutter sein, dessen Existenz samt zukünftigem virtuosen Beherrschens seines Instrumentes dem in der Hauptstadt Chinas geborenen Jürgen schon dortselbst vorausgesagt worden war, den er aber nie getroffen hatte, weil sein Familienzweig zu dem im Tal der Ahnungslosen lebenden, wo Jörg das Licht der Welt erblickte hatte, keinen Kontakt unterhielt. Das sollte sich nach dieser Begegnung gründlich ändern.
Doreen hatte sich schon vor Beginn des Konzerts während eines kurzen Gesprächs vor allem von Jörgs Dialekt seltsam berührt gefühlt, beinahe angeheimelt, könnte man sagen. Sie erinnerte sich, daß ihre Mutter oft über längere Aufenthalte im Tal der Ahnungslosen zu Zeiten des geteilten Deutschlands, unter Erwähnung einer Familie gleichen Nachnamens wie Jörgs und den niedlichen Dialekt imitierend, erzählt hatte. Da das Tal, wie bei solchen Niederungen üblich, sehr eng begrenzt war und zudem der genannte Name auch noch ziemlich selten, verwundert es nicht, daß es sich wirklich um Jörgs Familie handelt, der wiederum sich gut an die merkwürdig artikulierende Besucherin aus der großen Stadt erinnern kann.
So fand auch hier zusammen, was zusammengehörte. Doch damit nicht genug. Nunmehr zu acht, wurde aus dem Konzertabend eine lange Nacht des Erzählens, der Ahnenforschung, und was sich dabei herausstellte, klingt einerseits beinahe märchenhaft, erklärt aber andererseits die förmlich magnetische gegenseitige Anziehung dieser vier Paare.
Anmerkung des Autors: An dieser Stelle sei bemerkt, daß alle Beteiligten ob der Frische der Ereignisse diese noch gar nicht vollständig verarbeiten konnten und das ganze Beziehungsgeflecht bisher auch nur in groben Umrissen übersehen. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich nach Rücksprache mit anderen Familienmitgliedern sicher noch vieles vertiefen und erklären. Einstweilen kann hier nachfolgend das in besagter Nacht Herausgefundene nur zusammenfassend aufgezählt werden mit dem Versprechen, jede neue Erkenntnis selbstverständlich umgehend für den interessierten Beobachter zu veröffentlichen. Also weiter in bewährter Kurzfassung:
Die Vorfahren von Jörgs Partnerin Dunja waren Seefahrer, welche sich, nachdem ihr bei einem Sturm seeuntüchtig gewordenes Schiff in der Nähe des Ortes gestrandet war, in dem die beiden jetzt leben, genau dort ansiedelten. Dunja, standesgemäß auf hoher See zur Welt gekommen, hatte viel in den Aufzeichnungen ihrer literarisch begabten und mit Ahnenforschung befaßten Mutter gelesen und konnte sich im Zusammenhang mit den ausgedehnten Reisen ihrer seefahrenden Vorfahren an Berichte über Aufenthalte in den Fjorden Norwegens erinnern. In einer dieser Geschichten war von einer weisen alten Frau die Rede, die einen der Seeleute von einer schweren Krankheit geheilt hatte und von der gemunkelt wurde, sie wäre von einem Troll, dem sie in einer Notlage beigestanden hätte, aus Dankbarkeit mit Zauberkräften ausgestattet worden.
Kerstin, bis dahin faszinierte, aber stille Beobachterin des Geschehens, mischte sich hektisch ins Gespräch ein. Diese weise alte Frau stellte sich als ihre, Kerstins Ur-ur-ur-(die genaue Ur-Anzahl muß noch ergründet werden – der Autor)-urgroßmutter heraus.

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Nicht nur Kerstin, sondern auch zwei weitere Mitglieder der Runde wurden an dieser Stelle hellhörig. Das war zum einen Ian, was erst einmal nicht weiter verwunderlich war, schließlich lebt er mit Kerstin zusammen und kennt zumindest die wichtigsten und bei den meisten Familientreffen immer wieder weitergegebenen Erzählungen.
Zum anderen – und das war in diesem Zusammenhang durchaus verwunderlich – kannte auch Maik die Geschichte von der weisen alten Frau. Wie in einem sich lichtenden Nebel tauchte sie aus seinen frühen Kindheitserinnerungen auf. Und beide, Ian und Maik, welche sich nicht nur im äußeren Erscheinungsbild durchaus ähneln, durchfuhr es wie ein Blitz der Erkenntnis: Kinderfrau und England. Kurz und gut, es stellte sich heraus, daß diese zwei Männer ein kleines Stück Ihrer Kindheit im Hause von Ians Eltern, damals in England lebend, behütet von einer alten weisen Kinderfrau, auch sie mit heilenden Händen gesegnet, gemeinsam verbracht hatten. Der Hintergrund beinahe banal: Ein Cousin von Ians Vater (der Cousin aus der irischen Linie der Familie, während Ians Vater und auch die Mutter Schotten sind) war als Soldat der englischen Besatzungsmacht nach 1945 lange Jahre in der großen Stadt in Deutschlands Mitte stationiert, hatte sich in eine ihrer Bewohnerinnen verliebt und mit Ihr ein Kind gezeugt, dessen Geburt er dort nicht mehr miterleben konnte, weil er wieder gen England abgezogen worden war. Er hätte Mutter und Kind gern nachgeholt, wurde aber durch ständige Einsätze aufgehalten. Maiks Mutter heiratete wenig später einen anderen Mann, um den Anfeindungen und Ausgrenzungen als ledige Mutter und Soldatenliebchen zu entgehen. Es gab aber noch den Kontakt zu dem unverheiratet gebliebenen Erzeuger und es wurde vereinbart, daß der Junge für eine begrenzte Zeit im Hause des Cousins mit dessen fast gleichaltrigem Sohn verbringen sollte. Wenn es die Zeit und die Einsätze erlaubten, hielt sich Maiks Vater ebenfalls dort auf. Bei einem dieser Einsätze (vermutlich in seiner Heimat Irland – was noch zu recherchieren wäre – der Autor) kam er ums Leben und die Familie, die ohnehin gerade im Begriff war, England Richtung Schottland wieder zu verlassen, beschloß Maiks Rückkehr nach Deutschland. Auf den Weg von England nach Deutschland wurde Maik via Norwegen geschickt, wo er einige Tage bei einer Gastfamilie untergebracht war, in deren Mitte gerade ein Baby zur Welt gekommen war – Kerstin. Wieder bei seiner Mutter angekommen, hatte er davon noch seinem Großcousin Ian geschrieben, bevor der Kontakt zu Ian von Maiks Angehörigen unterbunden wurde. Ian hat sich viele Jahre später an diesen Brief erinnert, sich auf Spurensuche nach Maik begeben und auf diesem Wege Kerstin kennengelernt, ist quasi bei ihr „hängengeblieben“.
Scarlett hatte sich während des Gesprächs von Maik den mehrmals gefallenen Familiennamen seines Vaters aufschreiben lassen. Wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte, war dies mit einer winzigen Abweichung und natürlich anderer Aussprache der gleiche wie ihr bürgerlicher Nachname (der hier wie auch sonst in der Öffentlichkeit verschwiegen werden soll – der Autor). Sich an die Bemühungen ihrer Großmutter väterlicherseits um die lückenlose Erstellung eines Stammbaums erinnernd und natürlich, obschon in einer Schweiz geboren, wohlwissend um die, wie in der Weltliteratur ausführlich belegten und behandelten, irischen und schottischen Wurzeln ihrer vormals in den Südstaaten Nordamerikas siedelnden Vorfahren, ahnte sie eine Verbindung zu den Familien von Ian und Maik. Die in der Zwischenzeit schon etwas weiter gediehenen Forschungen im Nachlaß ihrer Großmutter bestätigen diese Annahme, zwar weitläufig, aber doch irgendwie verwandt zu sein.
Die (bisher) letzte herausgefundene Verbindung zweier Mitglieder der Runde endgültig aufzudröseln, bedarf es noch einiger Recherche, vorerst nur soviel:
Es gibt eine Verbindung von Dunjas Seefahrervorfahren zu dem aus China stammenden Teil von Jürgens Familie. Vermutlich geht diese Verbindung auf Marco Polo zurück, der bei seinem Aufenthalt am chinesischen Kaiserhof mit einer deutschen Diplomatentochter, die auch Favoritin des Herrschers war, ein heimliches Verhältnis pflegend, ein Kind gezeugt haben soll …

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und überhaupt:

Letztendlich – und das gedenken die Teilhaber der Liebesbande bei ihren musikalischen Aktivitäten unter Beweis zu stellen – stammen alle vom berühmtesten Paar ab, dem aus dem  Paradies auf die herrliche Erde geworfenen, das an allem Schuld ist – von Adam und Eva, verwoben durch göttliche LiebesBande.

Fotos: Frieder Krenzlin

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